Und es verkauft sich doch?

Sonntag, 15.05.2011 um 14:20 von Peter Marquardt


Am 9. März habe ich mein Album reverse kill veröffentlicht und hier drüber geschrieben. Es war ein Experiment, von dem ich mir nicht wirklich viel Erfolg versprach, aber natürlich welchen erhoffte. Jetzt habe ich die erste Abrechnungsperiode hinter mir und will gerne darüber berichten. Vorweg: Es lief nicht gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Werbung ist König.

Die Werbetrommel

Die Werbemaschine scheint nach wie vor der Weg zu sein, Verkäufe zu generieren. Natürlich, woher sollen die Leute denn auch wissen, dass ich Musik mache, es ein Album von mir zu kaufen gibt und was sie erwartet? Weit hat es die Werbemaschine aber auch nicht geschafft, was natürlich auch daran liegt, dass ich sie nicht richtig angeschoben habe. Das war auch nicht wirklich Teil des Experiments.

Erst mal habe ich auf Twitter zwei/drei Tweets zum Thema abgesetzt. Einige meiner Follower haben das dann retweetet. Ich konnte etwa 10-15 Retweets und Erwähnungen nachvollziehen, danke dafür. Außerdem wurde ein paar mal darüber gebloggt, mindestens einmal auf englisch an eine größere Leserschaft.

Geld rein, Geld raus

Mein Plan war, die Investition von knapp $50 wieder rein zu holen. $50 hatte es bei Tunecore gekostet, das Album in iTunes, Amazon MP3, Spotify und weitere Dienste einzustellen. Alles was über meine Investition hinaus eingenommen wird wäre natürlich auch willkommen. iTunes stellt einem keine Liveübersicht über Einnahmen bereit, sondern bietet zwei Formen der Information: Ein wöchentlicher »trend report«, der relativ genau aber nicht exakt wiedergibt, wann wieviel gekauft wurde, und einen monatlichen »sales report«, der exakt angibt, wieviel Geld eingenommen wurde und einem danach bereit steht. Diesen monatlichen Report gibt es aber erst wesentlich später nach dem Abrechnungszeitraum. Das dürfte der Musikindustrie geschuldet sein, da iTunes vermutlich wegen der großen Labels nie auf Live-Statistiken und dergleichen ausgelegt war. Die Mühlen der Musikindustrie mahlen langsam.

Was hat's gebracht?

Weniger als erhofft. Da sich keine elf oder mehr Titel auf meinem Album befinden, werden Verkäufe nicht nach Alben sondern nach Einzeltiteln berechnet, weshalb ich nicht sagen kann, wieviele Leute das ganze Werk gekauft haben, aber ich kann hochrechnen und komme so auf 10,375 verkaufte Alben. Davon 9,125 in Deutschland. Der Rest wurde in Schweden verkauft. In den USA oder sonstigen Ländern kein einiziger Song. Witzig ist: Ich weiß wer das Album in Schweden gekauft hat und kenne mindestens 7 der Käufer aus Deutschland. Bleiben nur um die 2 Alben, von denen ich die Käufer nicht kenne. Ziemlich mageres Ergebnis.

Trotzdem habe ich meine Investition wieder drin. Grade so. Pro verkauften Song erhalte ich 0,71 Eurocent, was in Summe auf knappe 59 Euro kommt. Von den 9 Euro Gewinn kaufe ich mir ein Eis.

Die Verkäufe liefen übrigens alle auschließlich in der Veröffentlichungswoche und zwei Wochen danach ab. Seit dem wurden keine Songs mehr verkauft. Außerdem scheint iTunes nach wie vor das letzte Wort zu sein. Keine Verkäufe oder Plays von Amazon MP3, Spotify, eMusic und Konsorten.

Und jetzt?

Jetzt werde ich mal schauen wo und wie ich das Album bewerben kann. Ich bin Podcaster, ich kann auf Twitter noch mal die Werbetrommel rühren, und mir fallen bestimmt noch mehr Kanäle ein. Das Album ist jetzt erst mal ein Jahr lang drin, danach würde es mich noch mal 10 Euro kosten (glaube ich), es ein weiteres Jahr einzustellen. Je nach dem, wieviel bis dann verkauft wurde, entscheide ich, ob es sich überhaupt lohnt.

Was ich auf jeden Fall mitgenommen habe, ist Erfahrung, wie so ein Albumverkauf abläuft, was man braucht, und dass Werbung alles ist, solange man nicht bekannt ist.

Falls Ihr das Album nicht wahrgenommen habt: Hier kann man reinhören und es kaufen, wenn es einem gefällt.

Ach ja, im letzten Post fragte ich außerdem, was reverse kill für euch bedeutet. Für mich ist reverse kill im wahrsten Sinne das Gegenteil eines Mordes: Die zwanghaft eingeleitete Wiederauferstehung. Das durch Gewalt in die Welt zurückgeholt werden. Vielleicht sollte ich dem Prinzip folgen und die Rückholung in die Welt durch etwas Werbung erzwingen ;)

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