Selbstversuch: Albumverkauf via iTunes

Mittwoch, 09.03.2011 um 11:19 von Peter Marquardt


Please go here for the english version of this article / Bitte diesem Link zur englischen Version des Artikels folgen

Ich bin schon seit ich denken kann ins Musikmachen verliebt. Mit sechs habe ich angefangen, mein erstes Instrument zu lernen und ich habe 1996 meine ersten grobschlächtigen Schritte im Komponieren elektronischer Musik unternommen. Seit dem passieren mir immer wieder mal Lieder und ich habe in 15 Jahren einen beachtlichen Katalog von 80 selbstgestrickten Titeln generiert, die fertig und halbwegs hörbar bis sehr gut sind.

Stilistisch ist meine Musik schwierig einzuordnen, wohl ein Mix aus Demoszene, Ambient und einer Hand voll anderer Genres. Sie wurde wegen ihrer Vielschichtigkeit und Schwebungen schon »Aquariummusik« genannt, von unbedarften als Techno verschrien und von einigen armen Irren als Geniestreich bezeichnet. Gemacht habe ich sie nach ersten Versuchen anderen zu gefallen irgendwann nur noch für mich selbst. Das hat befreit.

Tatsache ist, dass die Musik, die ich derzeit mache das erste Mal ein Level überschritten hat, das ich als veröffentlichungswürdig ansehe. Bisher habe ich meine Musik gern in einem versteckten Bereich oder teilweise öffentlich kostenlos als MP3s zum Download angeboten und vorzugsweise selbst gehört. Mich getraut Geld dafür zu verlangen habe ich bisher nicht, weil ich selbst noch nicht zufrieden genug damit war.

Renoise zu Tunecore zu iTunes

Das ist jetzt anders. Ich habe so viel Spaß an meiner Musik wie schon lange nicht mehr, und ich glaube, dass auch andere Spaß dran haben können. Um die Vermarktungsfähigkeit meiner Musik zu untersuchen und mal zu erfahren, wie so die Selbstveröffentlichungswege aussehen, habe ich also ein bisschen Geld in die Hand genommen und einen Dienst namens Tunecore bezahlt, um die Tracks meiner Wahl als Album in iTunes und ein paar andere digitale Musikläden zu stellen.

Die Aktion ist ein absoluter Schnellschuss, ich habe sogar noch zwei Titel im Eiltempo fertiggestellt, weil sie gut in die Reihe der anderen Stücke passten, die ich fürs Album ausgesucht hatte. Mir bot sich die Gelegenheit, ich dachte: Jo versuchen wir's. Wenn es klappt und ich damit ein paar Pfennige verdiene freut es mich, wenn nicht, war es eine hübsche Erfahrung. Außerdem hat es mich gezwungen, den Stand der Titel einzufrieren und als »fertig« zu definieren, was mich ungemein befreit und mir den Kopf für neue Musik öffnet, statt ewig an der bestehenden rumzudenken, weil man sie ja noch besser machen kann.

Drumroll please…

Hier ist es jetzt, gewachsen seit Februar 2010, fertiggestellt und eingereicht am 7. März 2011 und seit heute in den digitalen Läden:

lastfuture - reverse killAlbum in iTunes kaufen

lastfuture reverse kill Albumcover
(Affiliate-Link)

Album auf Amazon MP3 kaufen

Die Tracks

1. Humanity (intro)
Zutaten: Bebot auf dem iPhone, Garageband

Die Vertonung der ungesunden Schnelllebigkeit unserer Welt. Hat als Spielerei mit der Synthharp begonnen und wurde inspiriert durch Koyaanisqatsi.

2. Enigma
Zutaten: NanoStudio auf dem iPad

Entdecken neuer Werkzeuge Musik zu machen. Warnung: Teile dieses Tracks entstanden auf dem Klo.

3. Tension
Zutaten: Renoise, Garageband

Nachdem ich von der Stutterei angefixt war (siehe 5. Jet Car) wollte ich das auch in Renoise nachbilden, empfand das aber als wesentlich weniger komfortabel, wenn auch kontrollierbarer.

4. Princess
Zutaten: Hexatone auf dem iPhone, Korg iElectribe auf dem iPad, Four Track auf dem iPad, Renoise

Die Idee entstand aus dem Instrument für die Melodie, das in meinem Kopf gleich Fluten von Ideen losließ. Das Dornröschenschloss fraß sich fest.

5. Jet Car
Zutaten: Hexatone auf dem iPad, Garageband

Größtenteils im Zug zwischen Titisee Neustadt und Freiburg entstanden. War eigentlich nur als Hexatone-Test und Zeitvertreib gedacht. Der Stutter wurde live performt.

6. Rude
Zutaten: Psycle

Der Versuch, ob ich noch mit Windows und meiner dort bevorzugten Software klar komme. (Antwort: Jein) Das ist das Stück aus diesem Album, das am frühesten entstand.

7. Smoothie
Zutaten: Renoise

Experiment, durch verlangsamte Cellotöne spannende Schwebungen zu zaubern. Halbwegs geglückt.

8. Rubber, Bacon, Rock & Roll
Zutaten: Bebot auf dem iPad, Renoise

Ich weiß nicht mehr, was mich da geritten hat. Ehrlich. Trotzdem lässt es mich irgendwie nicht los.


Mich würde jetzt persönlich interessieren, was ihr euch unter dem Albumtitel vorstellt. Ich hab eine sehr konkrete Vorstellung, was »reverse kill« für mich bedeutet. Die Auflösung folgt bald.

Sprechblase Kommentare deaktiviert
abblundei – Mittwoch, 09.03.2011 um 12:27:

Unter »reverse kill« stelle ich mir entweder eine Tötungsszene, die Rückwärts abgespult wird, oder das Leben nach dem Tod vor. Dass jemand eben gar nicht ›wirklich‹ getötet, sondern erlöst oder in eine andere Welt entsandt wird.